Barack Obama in Berlin, keine Mauer – aber Panzerglas: Was bleibt

flagge-usa-hamburg-2011-andres-lehmannAndres Lehmann

Ach ja, vor fünf Jahren – genau, da war doch was: Barack Obama sprach als Hoffnungsträger und US-Präsidentschaftsanwärter vor der Berliner Siegessäule. 200.000 Menschen waren dabei, eine Art Fanmeile – und das ganz ohne Jogis Mannen.

Fünf Jahre später schaute Barack Obama wieder in der Bundeshauptstadt vorbei. Bis zu seiner zweiten Amtszeit ließ sich Obama Zeit, wenngleich er – aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel – ein Freund der Regierungschefin ist. Und Freunde ziehen eben bei Temperaturen von weit über 30 Grad mal das Sakko aus. So geschehen bei Obamas Rede vor dem Brandenburger Tor. Keine Frage: Ein gewiss gern gesehener Gast in Deutschland.

Einst rüttelte Gerhard „Gerd“ Schröder am Zaun des Kanzleramtes, um dort reingelassen zu werden. Vor fünf Jahren hatte Obama vermutlich leicht irritiert gen Brandenburger Tor geschaut, wollte er doch damals schon an diesem so wichtigen historischen Ort stehen und zu den Menschen sprechen. Schröder wurde Kanzler, und Obama sprach ein zweites Mal in Berlin.


Nun also ging sein Wunsch in Erfüllung – und alle hatten sie was davon: Claus Kleber etwa konnte mal wieder nach Berlin reisen, um von dort aus das „heute journal“ in „Ihrem Z – D – F“ zu moderieren. Er stand so denn ebenfalls vorm Brandenburger Tor. Doch Barack Obama war zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg gen Air Force One. Und die 4.000 geladenen Gäste waren auch schon weg.

Angela Merkel freute sich womöglich diebisch, dass es sich bei Obamas Stippvisite um einen „Arbeitsbesuch“, und keinen Staatsbesuch handelte. So war es der Bundeskanzlerin vorbehalten, für den Abend mal eben auf Kosten des Steuerzahlers das Schloss Charlottenburg zu mieten und dort mit großen Menschen, wie etwa Basketballer Dirk Nowitzki, ein wenig zu plaudern. Ansonsten wäre es Bundespräsident Joachim Gauck vorbehalten gewesen, mit Obama zu speisen. Gauk hat der US-Präsident freilich bereits am Vormittag im Schloss Bellevue besucht. Auch Peer Steinbrück hatte mit Obama eine Unterredung. Jedoch in keinem Schloss. Dies nur fürs Protokoll.

Schwüles Wetter in Berlin

Joachim Sauer war beim abendlichen Galadinner freilich an Bord, hatte den Tag über aber bereits artig das Damenprogramm mit Michelle Obama, ihren beiden Töchtern und der Halbschwester Obamas hinter sich gebracht.

Vier Frauen – puh, da kommt gewiss auch ein erprobter Kanzlergatte mal ins Schwitzen. Wir erinnern uns: Es war schwül in Berlin.

Der Kernsatz von Obamas Rede – es wurde mal wieder die atomare Abrüstung ins Feld geführt – war ohnehin schon bekannt. Oder wie es heute so schön heißt: Er war bereits den Tag zuvor „geleakt“.

Während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel war es zuvor die Bundeskanzlerin, die im Bezug auf das Internet von Neuland sprach. Es ging um „Prism“ – das hat im Grunde genommen etwas mit Simsen zu tun. Der Hashtag #Neuland verbreitete sich rasend schnell. Der Hashtag #atomareabruestung stand am Tag des Obama-Besuches bei Twitter jedoch nicht im Fokus.

Der US-Präsident sprach während seiner Rede, wie erwähnt vor 4.000 ausgewählten Zuschauern – Fanmeile war gestern – vom historischen Wegfall der Mauer. Dass der US-Präsident während seiner gut halbstündigen Rede hinter einer Panzerglasscheibe stand, sei an dieser Stelle erwähnt. Aber keine Bange: Abends war das Panzerglas schon wieder abgebaut. Konnten wir ja sehen, denn dort stand jetzt Claus Kleber.

Ach so, und der Vorschlag von Obama Richtung Russland, mal eben atomar abzurüsten, kam in Moskau gar nicht gut an. ZDF-Korrespondent in Washington, Ulf Röller, auch in Berlin vorm Brandenburger Tor (wenn schon, denn schon), sprach so denn davon, dass Waldemar Putin gar nicht begeistert gewesen sei ob der Worte Obamas.

Genau, und Waldemar Hartmann wird bei den Tagesthemen Nachfolger von Tom Büro. Gute Nacht.

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