Film-Kritik: „The Dark Night Rises“

the-dark-night-rises-screenshot-youtube-warner-brosScreenshot YouTube / Warner Bros.

Der Anspruch der dritten und definitiv letzten Batman-Verfilmung in ihrer aktuellen Inkarnation war hoch. Nach den zu Recht gefeierten ersten beiden Teilen sollte die Saga um den Dunklen Ritter zu einem alles übertreffenden epischen Abschluss gebracht werden. Dem Comic-Helden wollte man damit ein endgültiges filmisches Denkmal setzen.

Preview in Hamburg

Bei der gestrigen Pressevorführung in einem großen Hamburger Lichtspielhaus war auch ukonio.de vertreten, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Urteile der anwesenden Pressevertreter gingen hinterher teilweise stark auseinander. Sie reichten von „92 %“ bis „Nee, das war nix!“
Und auch die ersten Rezensenten im Netz sind sich nicht einig. Ist der fulminante Abschluss gelungen – oder ist er es nicht?
Er ist es – leider – nicht.

Woran liegt’s?

Von einigen Szenen abgesehen, gelingt es dem Film kaum zu packen und zu begeistern. Das verhindern die allzu häufigen Längen und die erschreckend klischeehaften Szenen, die sich immer wieder einstreuen. Ja, Comics sind per se klischeebeladen – aber Nolans Batman ist vom ersten Film an mit einem sehr ernsthaften Anspruch dahergekommen. Das ist mit ein Hauptgrund für den Erfolg der ersten beiden Filme. Doch diese Ernsthaftigkeit beißt sich mit allzu dick aufgetragenen Klischeeszenen, die nicht selbstironisch aufgelöst werden.

Damit nicht genug, will der Film eine dermaßen comichaft gigantomanische Geschichte erzählen, die ebenfalls nicht ganz zur Ernsthaftigkeit des Nolan’schen Batman passt.

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Wenn sich bei den Avengers ganze Flugzeugträger in die Lüfte erheben und die Stadt New York von fliegenden Metall-Riesenschlangen angegriffen wird, um von buntgekleideten Helden vermöbelt zu werden, funktioniert das wunderbar – denn dieser Film nimmt sich letztendlich nicht ernst.
Nolan war mit seinem Batman aber angetreten, eine weitestgehend ernste, glaubhafte und realistische Superheldengeschichte zu erzählen – da sollte es nach Möglichkeit eine Nummer kleiner sein.

Zur Handlung

Denn der Schurke „Bane“ hat nichts geringeres vor, als ganz Gotham per Atombombe zu vernichten. Nicht jedoch, ohne zuvor die gesamte Stadt als Geisel zu nehmen und in eine Art anarchisch revolutionsähnlichem Chaos versinken zu lassen.
Wie es einer handvoll Söldner gelingen kann, eine Millionenstadt unter den Augen der Welt monatelang zu beherrschen, muss man in einer Comicverfilmung eigentlich nicht hinterfragen – wenn da eben nicht dieser Realismus-Anspruch wäre.

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Der sozialkritische Aspekt, der da mitschwingen soll, wirkt in dieser absurden Ausprägung auch nur noch lächerlich. Nur die Anwesenheit der Terroristen lässt offenbar schlagartig blanke Anarchie ausbrechen – inklusive der Errichtung lustiger Revolutionstribunale.

Nebenbei muss sich der Held Bruce Wayne / Batman – der sich eigentlich vom Heldengeschäft zurückgezogen hatte – mit der Diebin Selina Kyle herumärgern, die ihm zum Schluss aber als Catwoman hilfreich zur Seite steht.

Schwache Charaktere

Wäre das alles etwas flotter erzählt, könnte man über die dünne Story gern hinwegsehen. Das größte Manko aber ist die schwache Besetzung. Nicht was die Schauspieler angeht, wohlgemerkt! Gary Oldman und Michael Caine sind selbstredend grandios. Und auch wenn er etwas lustlos wirkt, gibt Christian Bale erneut einen passablen Batman ab.

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Es gibt schlicht und einfach keine Figur, die in irgendeiner Form herausragt oder glänzt. „Bane“ ist ein blasser und farbloser Bösewicht, dessen Motivation wirr und dessen Herkunft arg konstruiert wirkt. Auch die Catwoman ist schwach und gibt dem Film keinen Glanzpunkt.

Einziger leichter Lichtblick ist die Figur des jungen Polizisten John Blake, die gut aufgebaut wird – und gegen Ende eine kleine Überraschung bereithält.
Den Film trägt aber auch diese Figur nicht.


Versöhnlicher Abschluss

Das alles macht den Film nicht schlecht. Er weiß zu unterhalten, hat seine Momente – und unternimmt immerhin den Versuch, den Kreis zum ersten Film der Trilogie zu schließen und so ein rundes Gesamtkunstwerk aus drei Teilen abzuliefern. In dieser Trilogie ist er definitiv der schlechteste Film. Teil eins präsentiert uns eindringlich und hervorragend die Entstehungsgeschichte Batmans, Teil zwei hat Heath Ledger – dagegen anzustinken ist ja auch schwer.
Aber er ist somit immerhin Bestandteil der bislang besten filmischen Darstellung des Dunklen Ritters.

Ab 26. Juli in den Kinos

1 Kommentar zu "Film-Kritik: „The Dark Night Rises“"

  1. Andres Lehmann | 19. Juli 2012 um 19:58 | Antworten

    Ich bin bezüglich der Kritik voll und ganz bei Roland. Die Erwartungshaltung war immens – doch es fehlte die klare Linie. Der Bombast hat den Film teilweise fast erdrückt. Die Spannung war von Beginn an gegeben – doch am Ende (nach knapp drei Stunden) saß ich fast geplättet im Kinosessel, erschlagen von teils zu wirrer Action und genervt von manch nervtötender Liebelei – George Lucas lässt grüßen.

    Der Score von Hans Zimmer ist sehr gelungen, die dunkle Atmosphäre („Batman-Feeling“) war gegeben, aber ein „würdiger“ Gegenpart fehlte, offenbar hatte Nolan keinen Joker mehr im Ärmel.

    Oldman und Caine sind dennoch wie beschrieben zurecht heiße Kandidaten für den Oscar als beste Nebendarsteller.

    Dieser Film ist unterhaltsam; mit teils spektakulären Bildern – er kann jedoch auch in meinen Augen das „groß“-artige Niveau der Vorgänger nicht halten. Prädikat: „Sehenswert, aber…“

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