Lieb und teuer

radiopreis-2011-olaf-scholz-hamburg-andres-lehmannAndres Lehmann

Hamburg. Seit Monaten überschlagen sich die Meldungen Betreff der Elbphilharmonie im Hamburger Hafen, ganz im Gegensatz zu den Bauarbeiten: Von einem gefühlten Baustopp bei den Arbeiten am Dach etwa war zuletzt die Rede.

Zuvor wurde bekannt, dass Fensterteile noch einmal abmontiert werden müssen, weil nicht bedacht wurde, dass zuweilen ja auch mal ein Fensterputzer vorbeikommt und hierfür Halterungen angebracht werden müssen.

Zudem sei, so wird moniert, der Rolltreppen-Zugang zur Aussichtsplattform ein Nadelöhr, und die Akustik im großen Konzertsaal ist womöglich längst nicht so einmalig, wie ursprünglich kolportiert. Von der unter Umständen nicht ausreichenden Kapazität für die „großen“ Künstler ganz zu schweigen.

Nun ist es aber zuweilen angebracht, im Norden einen kühlen Kopf zu bewahren. Oberbürgermeister Olaf Scholz etwa fand beim Blankeneser Neujahrsempfang besonnene Worte: „Für mich ist der Bau lieb und teuer“, sagte Scholz, wie dem Hamburger Abendblatt zu entnehmen ist.

Alles schön

Zudem betonte der SPD-Mann, die Elbphilharmonie sei ein schönes Haus. Nun gut, man lasse aber an dieser Stelle neben der „äußeren Fassade“ die „inneren Werte“ nicht außer acht.

Der SPD-Politiker indes hat die Hoffnung, dass „wir eines Tages darin sitzen und es dann nur einfach schön finden und vergessen, was es gekostet hat.“ Einen solchen Satz hätte man Scholz, dem coolen Rechner, gar nicht zugetraut. Die Kostenexplosion bei Klassik-Klängen einfach so vergessen?

Das Jahr 2012 soll bei der Fertigstellung des „Leuchtturms“ ein Jahr der Fortschritte werden. Derzeit würde sich Scholz noch „nicht trauen“, zu sagen, wann das Prestige-Objekt an der Elbe denn nun schlussendlich fertiggestellt wird. Ende 2014, 2015 oder gleich 2016?

Auf so einem Neujahrsempfang im schmucken Hotel Louis C. Jakob in Blankenese redet man natürlich gerne mal so drauf los.

Was wohl die anderen Gäste, allen voran der Gastgeber, Verleger Klaus Schümann, Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, oder Peer Steinbrück, Schach-Kumpel von Helmut Schmidt, bei der Rede von Scholz gedacht haben?

Der Ton macht die Musik.

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