Konzertbericht Hamburg: Glen Hansard, seine Big Band und Wehmut

glen-hansard-the-frames-konzert-docks-hamburg-2012-andres-lehmannAndres Lehmann

Spätestens als Glen Hansard mit „When Your Mind’s Made Up“ nach rund 20 Minuten Konzert das erste Lied von „The Swell Season“ anstimmte, wähnte sich so manch Konzertbesucher an einem anderen Ort. Er verlässt das ausverkaufte Hamburger Docks auf der Reeperbahn und findet sich wieder im großen Kampnagel-Konzertsaal. Hier gastierte Hansard gemeinsam mit Markéta Irglová, der jungen Pianistin und Sängerin, im Februar 2010.

Es war einmal…

Die Stimmung an jenem Abend ist unvergessen. Hansard und Irglová, die dank des Films „Once“, also jenes Meisterwerk über Liebe, Musik und Sehnsucht, für den Song „Falling Slowly“ einen Oscar erhielten, rissen die Besucher von ihren Stühlen. Kurz vor Ende des Konzertes hielt es niemanden mehr in den Sitzreihen. Jeder, der den Film gesehen hat, wollte ganz nah dran sein am Geschehen, am Film, an der Musik die so berührt. Damals waren Hansard und Irglová bereits getrennt. Die Ironie der Geschichte wollte es, dass die zwei Musiker tatsächlich ein Paar wurden – doch im Verlaufe der langen Tour trennten sich ihre persönlichen Wege. Und schließlich zerbrach auch die musische Liason „The Swell Season“.


Nach dem Debüt „The Swell Season“, dem Soundtrack zu „Once“ und dem finalen Geniestreich „Strict Joy“ folgte in diesem Jahr das erste Soloalbum von Glen Hansard: „Rhythm And Repose“. In „The Storm, It’s Coming“ und in „You Will Become“ singt noch einmal Irglová an der Seite des Iren. Ein Abgesang auf die gemeinsamen Jahre.

Auf der Bühne im Hamburger Docks musste Hansard demnach ohne die junge Tschechin auskommen. Die Formation seiner Rockband „The Frames“, die schon bei „The Swell Season“ für den wunderbaren musikalischen Rahmen sorgten, sowie ein Bläser- und Streicher-Trio unterstützten ihn. Als Hansard sein Set sogleich mit einigen Nummern seiner fulminanten Soloplatte beginnt, irritiert der „Big Band“-Sound zunächst etwas, im Verlaufe des Abends jedoch ist der fast orchestrale Klang eine Bereicherung.

Und immer wieder der Blick zurück

Im Dezember 2010 spielten The Frames im Hamburger „Übel & Gefährlich“. Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie eine Rockband über Jahrzehnte zusammengewachsen ist. Auf der Bühne stand eine Einheit. Ein wenig schade jedoch ist, dass Songs von „The Frames“ am Abend im Docks gerade die Stücke von „The Swell Season“ in den Hintergrund rückten. Fast schien es, als wolle Hansard abschließen mit jenen Jahren, die ihn haben so populär werden lassen. Verübeln kann man ihm das nicht – Wehmut bleibt.

Nicht, dass wir uns missverstehen, musikalisch war der Abend ein Hochgenuss. Abgesehen der ständigen Störgeräusche des Docks, die auch die Musiker auf der Bühne irritierten. Eine laut surrende Klimaanlage war da nur der Gipfel des Eisbergs.

So schön die Cover-Versionen, allen voran „Blue Moon“ im Zugabenblock mit Lisa Hannigan an der Ukulele (die bereits als Solistin vor Hansards Auftritt etliche Saiteninstrumente bearbeitete) auch sein mögen, und so stimmungsvoll die neuen Stücke, allen voran der ergreifende „Song of Good Hope“ oder das beatleske „Bird of Sorrow“ sind, zwei Momente rührten zu Tränen: Als zwei Stücke von „The Frames“ erklangen, die in neuen „Swell-Season“-Versionen im Film „Once“ zu Welthits wurden. Zum einen, als wie beschrieben die Töne zu „When Your Mind’s Made Up“ erklangen. Und zum anderen, als „Falling Slowly“, begleitet von der phänomenalen Band Hansards und der stimmlich exzellenten Hannigan, am Ende des über zweistündigen Konzertabends ertönte.

Aber die weiche, fast zerbrechliche Stimme von Markéta Irglová und ihr schwebendes Pianospiel, das sich perfekt mit Hansards Gitarrenklängen verwebte, fehlte. Die Magie eines Duos scheint erloschen.

Das war die Tragik dieses wundervollen Konzertabends.

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1 Kommentar zu "Konzertbericht Hamburg: Glen Hansard, seine Big Band und Wehmut"

  1. Super Konzert!!! Das vor 3 Jahren war aber doch etwas besser 🙂

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