Schmidt, Steinbrück und Europa

guenther-jauch-ard-marco-grobARD/Marco Grob

Hamburg. Manchmal ist die Print-Welt einfach nicht gut zur Fernsehlandschaft. Da lädt sich Günther Jauch in seine neue ARD-Talkshow am Sonntagabend zwei Hochkaräter ein.

Doch die Nachricht des Abends, die da lauten sollte „Helmut Schmidt kürt Peer Steinbrück zum Kanzler“, die stand schon im Spiegel, der am Sonntag im Norden (und digital weltweit) bereits unters Volk gebracht wurde.

Doch ganz erloschen schien das Interesse an der Gesprächsrunde dann doch nicht: 5,61 Millionen Menschen schalteten ein oder blieben nach dem Tatort dran.

Günther Jauch wollte ein Gespräch mit Politikern führen. Um über die Euro-Krise zu reden, saßen ihm Altkanzler Helmut Schmidt und Ex-Bundesfinanzminister und Möglicherweise-SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gegenüber. Doch Schmidt betonte gleich zu Beginn, er sei Privatmann, und kein Politiker.

Tja, und soll es Steinbrück nun machen? Schmidt legte sich plötzlich doch nicht fest, er wolle sich da ins Tagesgeschäft nicht einmischen. Und auch Steinbrück wich der Kanzlerkandidaten-Frage aus. Okay. Der Spiegel wird seine Auflage aber ganz gewiss nicht einstampfen.

Tatort Europa

In aller Ruhe erklärten die beiden gebürtigen Hamburger dem Zuschauer so denn die Weltfinanzmärkte und suchten nach Lösungsansätzen für die Euro-Krise. Denn, so Steinbrück, die Erhaltung der Europäischen Union diene nicht nur ökonomischen Zwecken. Im Klartext: An einen Tisch setzen und bitte sehr rasch gemeinschaftlich nach Lösungen suchen.

Über all diese Themen führten Schmidt und Steinbrück Gespräche, die jetzt gesammelt in dem Buch „Zug um Zug“ erscheinen. Insofern war der Besuch – trotz aller Aktualität – Bestandteil einer PR-Tour: Interview mit dem Hamburger Magazin Der Spiegel, am Donnerstag dann der Vorabdruck einiger Auszüge im Hamburger Wochenblatt Die Zeit. Und eben der Besuch im… Berliner Fernsehstudio.

Bei aller gebotenen Ernsthaftigkeit, gab es durchaus launige Momente im Berliner Gasometer, in dem sich die Akustik auch nach mehreren Ausgaben noch nicht gebessert hat.

Helmut Schmidt erklärte, es gebe zwei Regeln für Politiker: „Sie dürfen nicht lügen. Und sie müssen nicht immer alles sagen, was sie wissen.“ Applaus im Rund.

Zuvor hatte der Moderator minutenlang versucht, Peer Steinbrück für seine vor Jahren getroffene Aussage an den Pranger zu stellen, die Spareinlagen der deutschen Bevölkerung seien trotz Krise sicher. Ach du meine Güte, die Renten sind es doch auch!

Wobei wir beim Thema Ironie angekommen wären. Hier erklärte SPD-Mann Peer Steinbrück: „Das gefährliche an Ironie ist, dass sie viele nicht verstehen.“

Wie würde Loriot sagen: Ach was.

Mehr im Spiegel. Und in der Zeit.

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