HafenCity: Universität und Lohsepark – wie weit ist das neue Quartier?

hafencity-universitaet-neubau-lohsepark-hamburg-2013-andres-lehmannAndres Lehmann

Hamburg. Wer dieser Tage durch die HafenCity schlendert, der erlebt die zwei Gesichter des noch in Bau befindlichen neuen Quartiers an der Elbe: Da wäre zum einen der – abgesehen der vordersten Uferbebauung und „eines Konzertsaals“ an der Kehrwiederspitze – nahezu fertiggestellte westliche Teil. Viele Gebäude sind bereits fest im Hamburger Stadtbild „verankert“ – allen voran das „luftige“ Unilever-Haus oder der schraubenartige Marco-Polo-Tower, an dessen betonartiger Fassade sich die Geister noch immer scheiden. Und natürlich das „provisorische“ Containerterminal „Hamburg Cruise Center“ samt neu zur Seite gestelltem „Glaspalast“: Die Kreuzfahrtschiffe Queen Mary 2 und Co. sind bis dato der größte Magnet der HafenCity.

Zum anderen wäre da der östliche Teil des Quartiers, der mit dem Magdeburger Hafen startet und in den erst in einigen Jahren wirklich Leben einkehren wird. Wobei auch dieser Tage mächtig was los ist: Baukräne wohin der Besucher schaut, Bohrer – Krach allerorten. Oder schöner formuliert: Alles ist in Bewegung.

Dass das Überseequartier und die Universität nur einen „Katzensprung“ voneinander entfernt sind, machen die beiden mittlerweile in Betrieb genommenen U-Bahn-Stationen deutlich: Wer die sehr großstädtisch anmutende aber dennoch einladend wirkende Station „Überseequartier“ verlässt, kann nach Verlassen quasi die andere Station „HafenCity Universität“ (wird aktuell nur am Wochenende angefahren) gleich wieder betreten. So gut die Anbindung vom Jungfernstieg auch sein mag: Die – am Ende – drei Stationen für das neue Quartier scheinen dann doch etwas überdimensioniert.

Magedeburger Hafen: Das wahre Zentrum

Aktuell wird die Uferbebauung des Magdeburger Hafens, der direkt am Internationalen Maritimen Museum gelegen ist, fertiggestellt. Der schwimmende Fähranleger ist bereits vor Ort und das Museum, im historischen Kaispeicher B untergebracht, hat seit 2008 seine Pforten geöffnet. Der Kaispeicher A übrigens ist der Sockel der besagten Elbphilharmonie – von einem „öffnen der Pforten“ kann jedoch hier noch nicht gesprochen werden.

Schon jetzt zählt der Magdeburger Hafen zu einem der schönsten Plätze in der HafenCity: Die Blicke auf den Kanal, auf die neuen Gebäude und die Silhouette der Speicherstadt im Hintergrund lassen einen so manch hektischen Großstadttaumel für einen Moment vergessen. So denn die Baugeräusche ausgeklammert werden können.

Circa hundert Meter vom Maritimen Museum entfernt entsteht das neue Gebäude der Universität Hamburg (HCU) direkt am Baakenhafen. Der Putz an dem eher schlicht gehaltenen aber „verspielt“ verwinkelten Gebäude wird gerade angebracht. Der Campus dürfte sich auf den Lohsepark ausweiten.

Von den sechs Bauabschnitten des größten „Grünvorhabens“ in der HafenCity sind derweil in Kürze zwei eröffnet. Eine Gedenktafel unweit des Spiegel-Verlagsgebäudes erinnert an den Hannoverschen Bahnhof und die furchtbaren Deportationen während des zweiten Weltkrieges.

Lohsepark: Ein Stück Natur am Wasser

Bis der schlauchförmige Park endgültig zum entspannten Verweilen einlädt, werden noch etliche Jahre vergehen. Zunächst müssen alte Lagerhallen abgerissen werden.

Der Bezug zum Wasser ist dank der treppenartigen Uferbebauung schon jetzt hergestellt. Doch „geteilt“ wird der Lohsepark durch eine vierspurige Straße. Für den mit vier Hektar großen Park eine eher unschöne Randnotiz. Und ein wenig größer hätte das Grün dann doch werden können: Die Ausmaße jedenfalls zeichnen sich schon ab.

Doch sind die Bäume eines Tages gewachsen, kann der Lohsepark tatsächlich so etwas wie der Treffpunkt der HafenCity werden: Studenten, Bewohner, Touristen – Central und Hyde Park lassen dezent grüßen.

HafenCity und die stetige Erweiterung

Aufgrund der angrenzenden Fernstrecke und der „gemächlich“ vorbeifahrenden Schnellzüge wird es schwer werden, dem spitz zulaufenden Ostteil der HafenCity so viel Glanz zu verleihen, wie dem Westteil. Blühende Landschaften verspricht gewiss niemand.

Dennoch: Ein Streifzug durch die HafenCity ist spannend – vor allem, weil sich Jahr für Jahr eine Entwicklung abzeichnet. Über zu hohe Mieten, Leerstand, explodierende Kosten oder klimatische Bedingungen am Wasser kann und muss selbstredend gestritten werden.

Aber ein solches neues Quartier – wohlgemerkt das größte innerstädtische Entwicklungsprojekt Europas – wie die HafenCity darf vor allem als Chance gesehen werden. Hoffentlich kann Hamburg sie auch nutzen.

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