Noel Gallagher und seine Pop-Hymnen

noel-gallagher-konzert-hamburg-andres-lehmannAndres Lehmann

Hamburg. Vor drei Jahren spielten Oasis in der Alsterdorfer Sporthalle. Es war einer der letzten Gigs der Combo aus Manchester. Kurz darauf, vor einem Live-Auftritt in Paris, wirbelte Liam Backstage wutentbrannt eine E-Gitarre in der Luft, und Noel hatte keinen Bock mehr auf das Theater.

In L.A. werkelte Noel quasi „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ an seinem Solodebüt, nachdem Liam mit seiner Rest-Oasis-Formation „Beady Eye“ bereits vorgelegt hatte.

„Noel Gallaghers’s High Flying Birds“ ist ein sehr melodiöses, poppiges Werk. Würde es sich auf die große Bühne transportieren lassen?

Was sollen denn die Stühle?

Im ausverkauften „Rund“ der Sporthalle dauerte es eine Weile, bis das Publikum in der komplett bestuhlten Halle auf Touren kam. Immerhin darf man dem Hamburger Publikum zu Gute halten, dass von Anbeginn gestanden wurden. Das ist hier schließlich eine Rock’n’Roll-Veranstaltung.

Die „Oasis-Fans“ tauten nach und nach auf, „If I Had a Gun“ ist das neue „Don’t Look Back in Anger“, und „Aka… Broken Arrow“ oder „Dream On“ kamen live richtig fetzig rüber. Die ausgeklügelte Produktion ließ sich sehr wohl von einer Fünf-Mann-Formation auf der Bühne darbieten. Und die gespielten Single-B-Seiten und ein neuer, unveröffentlichter Song („Freaky Teeth“) lockerten die Setlist auf.

Ein richtiger Kracher ist „Soldier Boys and Jesus Freaks“, und Noels Unplugged-Interpretation vom Oasis-Hit „Supersonic“, „einst“ von Liam gesungen, wusste zu gefallen.

Zum Mitsingen

Der Zugabenblock jedoch ließ die renovierte Sporthalle dann so richtig erzittern, es kam die volle Ladung Oasis-Songs: Mit der Single „Whatever“, dem wunderbaren „Little By Little“, dem Stampfer „The Importance of Being Idle“ und – natürlich – „Don’t Look Back in Anger“ kamen nun wahrlich alle Anhänger von Oasis-Liedgut auf ihre Kosten. Und das obwohl der Sound zum Ende hin leider immer „breiiger“ über die Anlage rüberkam.

An jenem Abend in Alsterdorf wurde so denn noch einmal deutlich, dass Noel schon zu Zeiten der Brit-Pop-Band die Pop-Perlen ablieferte.

Bleibt die Frage: Wurde Liam nun vermisst? Ja, sicherlich. Aber Noel 90 Minuten live zu erleben, ist ein fast genau so großer Spaß.

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