Paul McCartney in Düsseldorf – eine Lichtgestalt: Konzertkritik

Paul McCartney! | © Michael K. Klopp

Paul McCartney machte alles richtig an diesem Abend in der Esprit Arena in Düsseldorf: Wie bereits seit seinem Live-Comback im Jahre 2002 setzt er auf viele vertraute Beatles-Klassiker. Seit nunmehr 14 Jahren ruht „Macca“ nicht, und tourt munter jedes Jahr um die Welt.

Nun also schaute er samt seiner kongenialen vierköpfigen Band in Düsseldorf vorbei. Mit „A Hard Day’s Night“ kam ein Opener, den wohl viele nicht auf der Rechnung hatten, schließlich ist bei der Original-Aufnahme aus dem Jahre 1964 primär sein Kumpel John zu hören. Doch McCartney darf das – schließlich hat er in den Anfangsjahren die Lieder stets gemeinsam mit Lennon geschrieben. Es folgt „Save Us“, eine von drei dargebotenen Nummern seines noch aktuellen Albums „New“. Und „Can’t Buy me Love“ kommt live wunderbar wuchtig rüber – wie es früher, in den 60er Jahren, technisch nicht möglich gewesen wäre.

Und so ging es weiter, Lied für Lied, Wings-Klassiker („Letting Go“) auf noch recht frische Solo-Hits („My Valentine“). Das Konzert wirkte sehr routiniert, die fünf da oben auf der Bühne hatten Spaß. Doch so richtig in Wallung kam das Publikum erst, als die „ganz, ganz großen Hits“ kamen, bei „Hey Jude“ sind dann doch tatsächlich endlich mal alle Konzertbesucher in den bestuhlten Reihen aufgestanden. Was womöglich auch ein wenig dem „Sound“ geschuldet ist, der gerade anfangs doch bedrohlich hallte.

Der Autor dieser Zeilen übrigens stand die ganze Zeit – und war sehr erfreut, dass „Maybe I’m Amazed“ („for Linda“) endlich mal wieder in die Setlist integriert wurde. Auch die Piano-Version von „Here, There and Everywhere“ war eine Überraschung im positiven Sinne.

Interessant war zudem die Unplugged-Session, im Rahmen derer unter anderem „Love me Do“ („for George Martin“) gespielt wurde. In einer lässigen Version.

Eingespielt

In dieser Besetzung hat der Autor dieser Zeilen McCartney zum dritten Mal live gesehen, und auch wenn der Ex-Beatle stets bemüht ist, neue Songs einzubringen und die Setlist varriert: Der Grundaufbau ist gleich geblieben. Und das muss auch so sein, denn eine Hommage an George Harrison („Something“) darf natürlich genau so wenig fehlen wie „Here Today“, jenen Titel also, den McCartney nach dem Tode John Lennons geschrieben hat. Dabei ging es sogar auf einer Schwebebühne hoch hinaus: Die technische Inszenierung war beeindruckend.

Sehr schön übrigens ist, dass sich „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ in der Setlist mittlerweile fest verankert hat. Von einigen als Kinder-Song abgetan, doch meine Wenigkeit ist bei diesem Lied durch die halbe Halle gehüpft, ehe er wieder brav in seiner Reihe vor dem Stuhl Platz nahm. Nein, sich hinstellte.

Das Feuerwerk am Ende ist unbezahlbar, „Let It Be“, „Live and Let Die“ und besagtes „Hey Jude“ – mehr Gänsehaut geht nicht, mehr Chor, mehr Gefühl – das muss man erlebt haben.

Aus zwei wurde mittlerweile eine Zugabe. Und der eine kompakte Block hat mich nicht so mitgerissen wie früher. „Helter Skelter“, „Day Tripper“ oder „I Saw Her Standing There“ fehlten. Der Wings-Titel „Hi, Hi, Hi“ ist Geschmackssache und klingt auch live wie ein Rock’n’Roll-Titel mit Handbremse. Doch ein Glück sind dann ja da noch das ewigschöne „Yesterday“ (bei diesem Song verließen hunderte Düsseldorfer die überdachte Esprit Arena – schaurig) und „Birthday“ vom Weißen Album, das rockt.

Bei „Golden Slumbers“, „Carry That Weight“ und „The End“ gab es dann, nach zweieinhalb Stunden Konzert im schönen Düsseldorf, noch neue Männerfreundschaften, viele Musikfreunde hingen sich in den Armen – mit der Gewissheit, dass dieses sehr beeindruckende Konzert ein Ende nimmt.

Doch McCartney hat versprochen, wiederzukommen. Wir bitten darum.

✔ Folge ukonio.de auf Twitter, Facebook oder Google+


Kommentar hinterlassen zu "Paul McCartney in Düsseldorf – eine Lichtgestalt: Konzertkritik"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*