Ein Leben mit Loriot

botanischer-garten-sonnenblume-hamburg-andres-lehmannAndres Lehmann

Der größte deutsche Humorist ist verstorben. Am Dienstagmittag erreichte auch mich die Kunde in Hamburg. Über das Internet. Ein Medium, mit dem der Schauspieler, Karikaturist und Bettenkäufer im Zuge seines Schaffens leider nicht mehr in Berührung kam. Ihm wäre ganz gewiss etwas eingefallen.

In Hamburg hat Loriot einst die Kunstakademie besucht. Und was noch viel wichtiger ist: Hier hat er seine Frau kennengelernt. Es folgten ein Familienleben ohne Skandale und ein Berufsleben voller Inspiration. Aaah ja.

Ich selbst hätte Loriot – mein Idol – fast einmal persönlich kennengelernt.

Ja, wer hält denn heute eine Rede?

Am 30. Oktober 2004 wurde in der Kasseler Stadthalle der „Kulturpreis Deutsche Sprache“ an Vicco von Bülow verliehen.
Loriot schmeichelte die Auszeichnung offenkundig, denn er reiste extra aus dem Süden an. Wohl wissend, dass es in Kassel schöne Schwimmbäder gibt.

Gemeinsam mit einem guten Freund und Kenner der Loriot-Materie wollte ich der Preisverleihung beiwohnen. Wir hatten uns den Termin notiert. Freuten uns. Die Stadthalle war von meiner damaligen Wohnung in Nordhessen gerade einmal 100 Meter entfernt.

Und was passierte? Besagter Freund und ich standen am Abend der Auszeichnung am Herd und kochten. „Kalbshaxe Florida“ – oder ein ähnliches Gericht, ich weiß es nicht mehr.

Erst am nächsten Tag ereilte mich der Anruf: „Wir haben uns um eine Woche vertan! Die Veranstaltung war gestern!“ Nun kochte ich wieder.

Wie konnte so etwas passieren? Ein tragischer Moment, der natürlich einer gewissen Komik nicht entbehrte: Eine jener Pannen im Alltag.

Und irgendwie schließt sich hier der Kreis: Es ist eine kleine Randanekdote des Lebens. Doch daraus lassen sich die besten und komischsten Geschichten spinnen.

Loriot wusste dies.

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