„Das Phantom der Oper“ in der Neuen Flora: Ein Klassiker zurück in Hamburg

das-phantom-der-oper-neue-flora-hamburg-stage-entertainment-morris-macmatzenStage Entertainment/ Morris MacMatzen

Hamburg. „Das Phantom der Oper“ ist vermutlich auch jenen Erdenbürgern ein Begriff, die nicht regelmäßig die Musik-Theater dieser Welt stürmen. Doch natürlich muss auch ein „altehrwürdiges“ Musical bei einer Neuinszenierung wieder um die Gunst des „alteingesessenen“ Musical-Besuchers werben – und möchte zudem auch ein neues Publikum erschließen. Und so hat sich einiges – aber natürlich nicht alles – im Vergleich zu der Originalaufführung des „Phantoms der Oper“ geändert, die bereits vor rund 20 Jahren in der Neuen Flora in Hamburg aufgeführt wurde. Das Musical-Haus wurde eigens für eigens für die Inszenierung gebaut.

Neu beim zweiten Phantom-Gastspiel etwa ist die Orchestrierung: Andrew Lloyd Webber persönlich soll die Entscheidung getroffen haben, dass fortan 14 Musik im Graben den Ton angeben. Das sind deutlich weniger als zuvor. Zudem wurde eine neue und wahrlich abwechslungsreiche Kostümierung vorgenommen – und das Bühnenbild selbst setzt ebenfalls neue „Glanzpunkte“. Die Inszenierung hat noch immer eine Gesamtlänge von knapp drei Stunden. Gut 40 Darsteller singen, tanzen und schauspielern auf der großen Bühne.


Die Geschichte des „Phantom der Oper“ ist eine gruselige und doch liebenswerte, die sich immer mehr zu einem wahren Drama aufschwingt: Ein Akrobat mit einem entstellten Gesicht soll einst in einem Käfig gehalten worden sein, eher er floh. Fortan soll er in einem Pariser Opernhaus sein Unwesen getrieben haben. Als das Phantom die junge (Mathias Edenborn) Christine Daaé (Valerie Link) singen hört, verliebt er sich – und schreibt ihr zu Ehren ein eigenes Opernstück. Die neuen Theaterbesitzer setzt das Phantom derweil unter Druck – entweder, sie inszenieren sein Stück mit Christine in der Hauptrolle, oder es geschieht ein schlimmes Unglück.

Doch – wie es so ein menschliches Drama nun mal vorschreibt – es gibt noch einen Nebenbuhler, den adligen Raoul Vicomte de Chagny (Nicky Wuchinger). Wie also wird sich Christine entscheiden? Ein Spiel um die große Liebe beginnt. Und Liebe und Tragik sind zuweilen unzertrennlich…

Das Phantom zurück in Hamburg

Die Neue Flora ist ein imposantes Theaterhaus und bereitet der Rückkehr des „Phantom der Oper“ in Deutschland eine wahrlich große Bühne. Die Klangwucht ist sehr imposant, und all die bekannten Stücke sind energiegeladen. Sehr schön sind die „Dolby Surround“-Effekte, die das Phantom teilweise allgegenwärtig erscheinen lassen, obwohl es nicht „im Bild“ ist. Dass im Orchestergraben nun auch Synthesizer als Ersatz für mach altgedientes Instrument zum Einsatz kommen, darüber kann gestritten werden. Am Klangerlebnis als solches gibt es jedoch nichts auszusetzen. Dirigent Klaus Wilhelm gibt den Takt vor – und das Orchester folgt ihm in Perfektion.

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Auch das Bühnenbild ist sehr abwechslungsreich – mal düster, mal „nebulös“. Und zuweilen mit einer wahren Farbwucht versehen, etwa beim Maskenball. Die Übergänge sind zudem gut gesetzt.

Mathias Edenborn als Phantom harmonisiert gerade im zweiten Akt sehr gut im Duettgesang mit Valeria Link. Doch im ersten Akt muss sich der Zuschauer – und vor allem Zuhörer – ein wenig an die Stimme des Phantoms gewöhnen, die eher nicht an einen tiefen Tenor denken lässt: Das Phantom hat sich der geneigte Musical-Besucher womöglich stimmlich etwas düsterer vorgestellt. Aber so spiegelt die Stimme auch das zerbrechliche Wesen wieder: Eine Geschmacksfrage.

Und vielleicht ist es auch sinnbildlich, dass das Phantom so im Schatten von Christine steht: Christine Daaé ist der Star des Abends, eine Musical-Sängerin, wie sie im Buche steht. Das gesamte singende Darsteller-Ensemble weiß zu gefallen – und das Ballett sorgt für Abwechslung.

Opernwelt ganz nah

Es lässt sich wunderbar abtauchen in diese ferne Pariser Opernwelt. Doch so schön etwa die genau 281 Kerzen sind, die auf der Bühne von Nebel eingehüllt ein grandioses Bild erzeugen, so nervig sind zuweilen die „Blitzeffekte“, die im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen. Dramaturgisch hätte es hier womöglich eine Variante getan, die nicht allzu sehr blendet. Denn das Versteckspiel des Phantoms nimmt der Theaterbesucher dem Stück ohnehin ab.

Am Ende so denn ist nicht nur Christine hin- und hergerissen, sondern auch der Besucher: Ist die Inszenierung oder die Musik der größte Pfund des Phantom der Oper?

Ein Glück muss sich nicht immer entschieden werden: Das „Phantom der Oper“ war – und ist – ein Gesamtkunstwerk.

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