NSA liest mit – und Guido Westerwelle greift so richtig durch

flagge-usa-hamburg-2011-andres-lehmannAndres Lehmann

Wenn unser Außenminister Guido „Mobil“ Westerwelle den amerikanischen Botschafter zu sich bestellt, dann muss die außenpolitische Luft ganz dünn sein. Da schlackern unsere amerikanischen Freunde bestimmt mit den Ohren: „What? Oh my god!“

Doch der neuste „Abhörskandal“ erhitzt die Gemüter. „Abgesandte“ aller Parteien pöbeln los oder sind zumindest verdutzt. Und der Präsident der Vereinigten Staaten? Nun, Barack Obama gibt zu Protokoll, man prüfe die Anschuldigungen. In aller Ruhe. Vermutlich weiß er: Die Aufregung wird sich wieder legen. Denn die „National Security Agency“ gibt es nicht erst seit vorgestern.

Bleibt die Frage: Warum nur sind wir alle aktuell so schockiert ob der Meldung, der amerikanische Geheimdienst liest mit, hört mit und schaut mit? Das haben Geheimdienste nun mal so an sich. Und wer bitteschön hat tatsächlich damit gerechnet, dass seine E-Mails nicht mitgelesen wird? Nichts ist geheim. Wäre ich ein Passwort, ich würde mir Sorgen um meine Existenz machen.

Neuland Internet?

Sind wir mal ehrlich: Wir alle tragen eine Mitschuld an dem ganzen Dilemma. Denn wir haben das Internet zu dem gemacht, was es heutzutage ist: Ein nicht enden wollender Datenspeicher. Natürlich ziehen einige Leute sinnigerweise Grenzen. Wer aber bei Facebook alles „reinstellt“, der darf sich nicht ärgern, wenn mal wieder über eine „Sicherheitslücke“ berichtet wird. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht bekannt wird, dass einmal mehr Millionen von Nutzerdaten „öffentlich“ wurden. Da lacht sich gewiss selbst der Geheimdienst – egal ob nun NSA, BND oder MFG – schlapp, der laut Spiegel auch mal gerne ein paar Wanzen in EU-Gebäuden unter dem Schreibtisch anbringt – der guten alten Zeiten wegen. Daten aus Facebook „herauszufiltern“: Dafür braucht es hingegen keinen Geheimdienst.

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Und die Bundeskanzlerin Angela Merkel – was sagt sie zu all dem digitalen Gezänk? Sie schweigt. Ist ja auch alles Neuland. Erst kürzlich begrüßte sie Barack Obama in Berlin. Vor zwei Wochen hieß es noch: Perfekte Werbung in eigener Sache. Doch schon „damals“ waren die amerikanischen Abhörpraktiken Thema. So ganz am Rande. Zu viele negative Schlagzeilen – das hätte die Fähnchen schwenkende Atmosphäre zerstören können.

Sicherheit ist ein wichtiges Gut. Aber wer Grenzen überschreitet, der verliert an Vertrauen. Und Sicherheit und Vertrauen sind und bleiben Verbündete im Geiste.

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