NSA Show: Mit Barack Obama, Edward Snowden und Jay Leno

flagge-usa-hamburg-2011-andres-lehmannAndres Lehmann

Die Lage spitzt sich zu. Oder? Nun ja, dem Spiegel liegen brandneue „hot news“ vor, nach denen der amerikanische Geheimdienst in der Vergangenheit ein sehr genaues Auge auf die deutsche Außenpolitik und wirtschaftliche Lage im Lande geworfen hat. Und vermutlich auch noch wirft.

Obwohl die Ohren bei so manch US-Funktionär geschlackert haben mögen, als Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich kürzlich nach Washington reiste und mal so richtig auf den Tisch gehauen hat.

Laut der Unterlagen von Edward Snowden – besser bekannt als „Whistleblower“ – listet die NSA „intern“ (T-O-P S-E-C-R-E-T) Deutschland als Spionageziel: Oh my god! Doch schnell tritt einmal mehr Tristesse ein: Die Bundesrepublik rangiert „nur“ im Mittelfeld. Will heißen: Mit China und Russland kann Deutschland nicht mithalten. Also eine ähnliche Konstellation wie im Schwimmbecken. (Damit dieser Vergleich nicht hinkt, haben wir den Iran an dieser Stelle weggelassen – Anmerkung der Redaktion.)


Ein Faktum ist zudem „interessant“: Der US-Geheimdienst schätzt die Gegenspionage aus Deutschland als „wenig bedrohlich“ ein. Oder anders gesagt: Der BND vermutet, dass von Ronald McDonald keine Gefahr ausgeht.

Der Bürger hierzulande kann womöglich all diese Informationen gar nicht richtig einordnen. Nun gut, die NSA überwacht quasi den ganzen Internetverkehr in dieser Galaxie. So what?

Blankes Entsetzen!

Doch bei all der – verständlichen – Verärgerung über das US-Spähprogramm: „Wie, meine E-Mails werden mitgelesen?“ Einmal mehr zeigt sich teils auch die Panikmache. Erneut der Spiegel etwa berichtete vor wenigen Tagen über den Auftritt von US-Präsident Barack Obama bei Jay „die NBC mag mich nicht mehr“ Leno. Dort – in der US-TV-Kult-Einrichtung „Tonight Show“, wird Obama so denn zu Snowden befragt, zu Russland, zu Europa. Der Spiegel findet, dies sei ein „unangemessener Auftritt“. Die Fragen von Leno seien unkritisch gewesen, und Obama habe erzählt, dass er zu seinem 52. Geburtstag mit „ein paar Buddys Golf und Basketball“ spielte.

Nun, weil die Late-Night-Mentalität in Deutschland eine andere ist, sei aber deutlich gesagt: Wer sich das Interview in voller Länge anschaut, der darf feststellen, dass Leno durchaus zahlreiche „kritische“ Fragen zum NSA-Thema gestellt hat. Obama wirkte souverän – und gibt Auskunft. Eine „Reisewarnung“ für Europa etwa spricht der US-Präsident nicht aus. Dieser Eindruck konnte bei manch Berichterstattung über den Auftritt von Obama bei Leno gar entstehen. Die Nachhaltigkeit der Aussagen jedoch ist ungefähr auf einer Linie mit Obamas Rede vorm Brandenburger Tor in Berlin.

Im Grunde genommen lief der XL-„Tonight Show“-Auftritt ab wie bei einem Bank-Beratungsgespräch: Seichtes Einstiegsthema, Verkaufspart, „Fade Out“ samt geschenktem Kuli. Im Falle von Obama und Leno wurden am Ende ebenfalls Höflichkeiten ausgetauscht, Leno war total überrascht über ein Spielzeugmodell der Präsidentenlimousine – und hatte rein zufällig einen Edding zur Hand, damit Obama das Dach signieren kann.

Selbstverständlich kann kritisch hinterfragt werden, warum Obama ausgerechnet bei Leno erstmalig zur ganzen NSA-Affäre Auskunft gegeben hat. Aber wäre ein Auftritt von Oprah Winfrey gehaltvoller gewesen?

Wer den Auftritt von Obama bei Jay Leno als solches kritisiert, der hat womöglich schon seit längerer Zeit nicht mehr einen „Polittalk“ am heimischen Fernseher gesehen. Oder sind die „Sommerinterviews“ oder die kurzen Frage-Antwort-Spielchen in den Nachrichten wirklich kritisch?

Das NSA-Spähprogramm geht uns alle an. Hey, es ist doch Bundestagswahlkampf. Wie wäre es, wenn das Wirken der Geheimdienste thematisiert würde?

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