Rocky – Das Musical: Großes Spektakel im Hamburger Operettenhaus

wietske-van-tongeren-drew-sarich-musical-rocky-2012-andres-lehmannAndres Lehmann

Eines darf vorab festgehalten werden: „Rocky – Das Musical: Fight From The Heart“ ist ein großes Spektakel. Am Freitag hatte Sylvester Stallone, der die Geschichte rund um Rocky und seiner große Liebe Adrian in den siebziger Jahren erschuf und als Co-Produzent des Musicals auftritt, das neue Stück von Stage Entertainment vor der Presse beworben, das am heutigen Tage im Hamburger Operettenhaus Weltpremiere feiert.

Immer wieder betonte der Hollywood-Star im Vorfelde, dass „Rocky – Das Musical“ eine Liebesgeschichte sei – und Rocky Balboa sei nun mal ein Boxer. Doch ist Rocky wirklich „nur“ eine Lovestory wie sie im Buche steht? Nein, es ist auch ein Stück über das Boxen und die Kunst, durch die Kraft der Liebe eine Veränderung im Leben herbeizuführen.

„Rocky – Das Musical“ ist untergliedert in – bildlich gesprochen – zwei Runden: Zunächst wird behutsam das Leben Rockys skizziert, der sich als Gelegenheitsboxer und Geldeintreiber über Wasser hält und nach Adrian schmachtet, die ihr Leben durch einem Job in einer Zoologischen Handlung unterhält. Rocky, der introvertierte Typ, der sich nur im Boxring richtig ausleben kann und Adrian, die verschüchtert bei ihrem Bruder lebt: Eine Liebesgeschichte über die volle Distanz.

In der zweiten Runde läuft alles auf das große Finale hinaus: Der unerwartete Weltmeisterkampf Rockys gegen Apollo. Wird Rocky, der seinem großen Idol Rocky Marciano nacheifert, über 15 Runden bestehen können?

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Mit Drew Sarich, der Rocky verkörpert und dem jungen Sylvester Stallone gar ähnelt, und Wietske van Tongeren, die Adrian mimt und stimmgewaltig auftritt, darf gewiss von einer Idealbesetzung geschrieben werden: Die Liebesgeschichte nimmt der Besucher den beiden Protagonisten ab, genau so wie die Sorge Adrians, Rocky, „The Italian Stallion“, setze im Kampf gegen den ungeschlagenen Weltmeister Apollo (Terence Archie) sein Leben aufs Spiel.

Musical wie Kino

All die Szenen, die den Film aus dem Jahr 1976 auszeichnen, wurden spielerisch in das Musical integriert. Szenenapplaus gab es etwa für Sarich, als er am Morgen drei Eier auf Ex kippt (macht er das fortan wirklich jeden Abend?), gegen Rinderhälften boxt oder die Stufen des Museum of Art in Philadelphia erklimmt. Das Bühnenbild ist großartig – fast alles ist in Bewegung, die Szenenbilder sind sehr stimmungsvoll und greifen die Atmosphäre des Films perfekt auf. Angefangen von der Rocky-Bleibe bis hin zum Boxring, der im zweiten Akt die vorderen Sitzreihen in Beschlag nimmt – das Publikum weicht auf die Bühne aus und ist somit hautnah dran am schweißtreibenden Geschehen zwischen den Seilen. Die Slowmotion-Effekte im Einklang mit der Musik sind großartig.

Löblich ist auch die Einbindung von großen Leinwänden, die scheinbar „magisch“ über den Köpfen der Zuschauer im Operettenhaus auf dem Hamburger Kiez schweben. Der Wortwitz und die „Running Gags“, die sich gerade im zweiten Akt einstellen, bringen manch Schmunzler mit sich. Das orchestrale Geschehen – bei einem Musical von fundamentaler Wichtigkeit – weiß zu gefallen, wirkt modern aber nicht zu verspielt. Das weltberühmte Theme „Gonna Fly Now“ von Bill Conti darf natürlich nicht fehlen und wurde von Stephen Flaherty, der sich für die Musik verantwortlich zeichnet, ein ums andere Mal aufgegriffen. Richtig Stimmung kommt bei „Eye of the Tiger“ auf, das – und hier wird ein wenig (zurecht) geschummelt – erst dank Rocky III zur Hymne wurde. Etwas schade ist jedoch, dass der Song durch einen Dialog zwischen Rocky und seinem Trainer Mickey (Uwe Dreves) jäh unterbrochen wird – die Stimmung wurde so für einen Moment ausgeknockt.

Jo, Adrian

Regisseur Alex Timbers, der sich bereits mit diversen Stücken am Broadway einen Namen gemacht hat, schafft es, den Film auf die Bühne zu transportieren, ohne das der Charme des Originals verloren geht. Im ersten Akt schwächeln die Texte noch ein wenig, doch im zweiten Teil relativieren sich viele der anfänglichen Dialoge – denn Rocky ist nun mal ein Kämpfer mit einem großen Herz, aber eben auch ein wortkarger Mitmensch: „Jo, Adrian“.

Am Ende der Uraufführung war es dann an Sylvester Stallone, die feierliche Medien-Premiere – natürlich im Ring – zu schließen: Für ihn sei mit dem Musical ein Traum in Erfüllung gegangen.

Im Gespräch mit ukonio.de nach der Preview des Stückes am 17. November ist Johannes Mock-O’Hara, Geschäftsführer von Stage Entertainment in Deutschland, sichtbar froh, dass nahezu alles reibungslos geklappt hat an diesem Vor-Premierenabend. Angesprochen auf das sehr aufwendige Bühnenbild, sagt O’Hara, dass dies immer eine Frage des Geldes sei. Vor allem aber habe ihn der Cast begeistert – Wietske van Tongeren oder Drew Sarich hätten ihre Sache super gemacht.

Jo. Ein wahres Spektakel.


2 Kommentare zu "Rocky – Das Musical: Großes Spektakel im Hamburger Operettenhaus"

  1. Sehr gut – wie kommt man an solche Karten???? GRRRR
    Zwei redaktionelle Anmerkungen:
    Den 2. Satz im ersten Absatz bitte entschachteln. Und ein Tierladen ist Deutschland eine zoologische Handlung.
    mfg
    jl

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