Rolling Stone Weekender 2015: Erst romantisch, dann stürmisch

rolling-stone-weekender-2015-ukonio-andres-lehmannAndres Lehmann
Zum bereits siebten Mal ging der Rolling Stone Weekender über die Bühne. In diesem Jahr hieß es schon vor Wochen „ausverkauft“. Und das dürfte zum einen an der zweitägigen „Wohlfühl-Atmo“ liegen, die im Ferienpark am Weißenhäuser Strand ohne wenn und aber gegeben ist. Und zum anderen am diesjährigen Line-up, das es in sich hatte. Da einmal mehr vier Bühnen an der Ostsee gerockt wurden, ist es nicht möglich, alle rund 30 Konzerte zu erleben. Und so galt erneut: Die persönlichen Favoriten sind gesetzt, und dann ist auch noch Zeit für neue Klangerlebnisse. Gleich der frühe Freitagabend zeigte, was den Rolling Stone Weekender ausmacht: Die Mischung aus „großen Gigs“ auf der Zeltbühne und kleineren Konzerten, allen voran im Witthüs. Dort also stand mit Jakub Ondra ein Singer/Songwriter aus Prag auf der Bühne, der wunderbare Songperlen darbot. Nur begleitet von Percussion, zog er die Hundertschaft sogleich in seinen Bann. Als Sraßenmusiker tingelte Ondra bereits durch Europa und hatte an der Ostsee mit „On The Menu“ einen Hit im Reisegepäck. Perfektes Gitarrenspiel und eine markant hohe Stimme, eingängige Melodiken und verspielte Texte: Jakub Ondra setzte ein erstes Ausrufezeichen beim Weekender. Doch dann rief die große Zeltbühne, denn die Alabama Shakes spielten auf. Brittany Howard hat eine Stimme, die alleine schon den Besuch des Konzertes rechtfertigt. Doch dann ist da ja auch noch die Big Band im Rücken, und gemeinsam geht es mal rockig und dann „soulig“ zu – aber stets mit vollem Elan. Kein Wunder, dass Howard zuletzt gemeinsam mit Paul McCartney „Get Back“ live darbot: Diese Combo ist mitreißend, das spricht sich rum. Rock aus Irland Im Anschluss dann ging es in der Alm zur Sache: The Riptide Movement kommen in klassischer Rock-Besetzung des Weges – und haben so richtig eingeheizt: Die Nummer „You and I“ ist ein tückischer Ohrwurm und der Title-Track ihrer zweiten Platte, „Keep on, Keepin' On“ riss alle mit, es wurde mitgesungen und getanzt. Dass die Iren durch die Decke gehen, unterstrich Sänger und Gitarrist Malachy Tuohy, der munter auf den Boxenturm kletterte. Und dann wieder rüber zur Zeltbühne: Steve Earle & The Dukes liefern wunderbaren Country ab, und auch der raue Rock'n'Roll kommt nicht zu kurz. Fast alles begnadete Multiinstrumentalisten, rollten sie einen schönen Klangteppich aus, auf dem dann – als letzter Act des ersten Tages – Element of Crime die Bühne betraten. Sven Regener, begnadeter Musiker und fantastischer Schriftsteller, und seine Combo machen seit Jahrzehnten Musik. Und da beim Rolling Stone Weekender Musikliebhaber auf der Matte stehen, durfte eine feine Setlist nicht fehlen. Abgesehen des kultigen Rufs „Romantik“ war Regener nicht in Plauderstimmung – vielmehr galt es, in 90 Minuten, inklusive dreier Zugaben, nichts anbrennen zu lassen. „Am Ende denk ich immer nur an dich“ oder das mittlerweile unverzichtbare „Delmenhorst“ holten den Musikliebhaber ab – und entließen ihn in die milde Ostsee-Nacht. Der Mann mit der Gitarre Am zweiten Tag stand für den Autoren dieser Zeilen zunächst der Baltic Saal im Fokus: Ron Sexsmith war da, einer der besten Songwriter der letzten Jahrzehnte. Nur mit Gitarre, ohne Band – wie er sich im Laufe des Konzertes „entschuldigte“ - bot Sexsmith viele seiner Klassiker wie etwa „Gold in Them Hills“ dar. Das mittlerweile zwanzig Jahre alte „Secret Heart“ war gesetzt: „Wenn ich überhaupt einen Hit habe, dann diesen“, sagte Sexsmith. Und alle Fans der Musik des Kanadiers wissen natürlich, dass es noch so unzählig weitere Lieder gibt, die in Perfektion des Weges kommen: Auch akustisch etwa ist „Imaginary Friend“ eine der größten Wohltaten der Pop-Geschichte. Der Bruch indes hätte härter nicht sein können – doch auch dafür steht der Weekender: Im pickepackevollen Zelt spielte Olli Schulz samt Kapelle und geizte nicht mit seinen tanzbaren Hits, sie ich im Laufe der Jahre angesammelt haben. Fast möchte man meinen, als Begleiterscheinung. Bei all der medialen Präsenz darf nicht vergessen werden: Schulz ist ein Musiker. Doch vielen im Rund dürfte spätestens nach diesem Auftritt klar sein: Der gebürtige Hamburger ist eben ein Entertainer. Und da gehört es nun mal auch dazu, das Publikum gegen sich aufzubringen – „ihr mit eurem verdammten Lokalpatriotismus“ – und im nächsten Moment mal eben „Wenn die Music nicht so laut wär“ rauszuhauen, unterbrochen durch ein Medley deutscher „Evergreens“. Dieser Mann versteht sein Handwerk und wäre einer für „Wetten, dass..?“.
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Es ging stürmisch zu beim Rolling Stone Weekender! | © Andres Lehmann

„Death Cab for Cutie“ im Anschluss sind schon seit vielen Jahren unterwegs. Und so verwundert es kaum, dass die Mischung aus Rock, Beats und eingägigen Texten viele Anhänger gefunden hat. Die Stimmung im Zelt wurde hochgehalten. In der Alm verbreitete der Singer/Songrweiter Chadwick Stokes dann noch Zuversicht – Folk und Rock'n'Roll, auch sein Bruder durfte zuweilen mit ran: Ein stimmungsvoller Auftritt. „Of Monsters and Men“ schließlich rundeten den Weekender ab. Mittlerweile hatte es draußen angefangen zu stürmen – Windstärke 7, das Zeltdach wackelte. Und den passenden Soundtrack lieferten Nanna Bryndís Hilmarsdóttir, Ragnar þórhallsson und sieben Begleitmusiker ab. Mehr Drums gehen kaum. Und natürlich durfte eine Nummer nicht fehlen: „Little Talks", die im Radio rauf und runter lief – und live umwerfend ist. Ein stürmischer Rolling Stone Weekender war das – und in 2016 wird es beim Strand-Festival keinen Deut ruhiger zugehen. Dafür werden alleine schon Wilco sorgen, die als erster Headliner bereits feststehen. ✔ Folge ukonio.de auf Twitter, Facebook oder Google+

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