SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: Der Aussichtslose?

abschlussveranstaltung-spd-peer-steinbrueck-blick-unten-hamburg-speersort-2013-andres-lehmannAndres Lehmann

Angela Merkel und ihre Union haben die Bundestagswahl gewonnen. Die Bevölkerung hat entschieden – Merkel und ihre Mitstreiter werden nun in Ruhe abwarten können, wer sich ihnen als erstes an den Hals wirft: Die SPD oder doch die Grünen? Jürgen Trittin legte in der Berliner Runde schon mal eine Schleimspur. Womöglich aber müssen im Konrad-Adenauer-Haus ein paar Bonbons ausgelegt werden, um die Zusammenarbeit schmackhaft zu machen.

Am Wahlabend war stets die Rede davon, wie Merkel zunächst die SPD – und dann, während ihrer zweiten Amtszeit – die Liberalen „ausgesaugt“ habe. Manch TV-Berichterstatter hat womöglich den ein oder anderen Vampirfilm zu viel gesehen. Würde ein ähnliches Schicksal nun den Grünen drohen, sollte die „Öko-Partei“ tatsächlich die Koalition mit der CDU und der PKW-Maut-Partei CSU wagen?


Eine Frage darf aber nach dem Wahlkampf gestellt werden: Wieso hat etwa das ZDF noch wenige Tage vor der Wahl das Ergebnis einer Forsa-Umfrage veröffentlicht? Es ist soziologisch erwiesen, dass auch wir Menschen Herdentiere sind und uns ganz gerne vor den Karren spannen lassen, der am zügigsten fährt (oh, hängt das Bild schief?).

Da die Union auch in den letzten Umfragen uneinholbar vorne schien und die SPD weit abgeschlagen, stellte sich womöglich die Frage der Fragen, wo das Kreuz gesetzt wird, manch Wähler gar nicht mehr. Frei nach dem Motto: „Ach komm, der Steinbrück hat doch eh keine Chance.“ Dabei waren es gerade die letzten Wochen, die aus einem teils unsicher wirkenden SPD-Spitzenkandidaten einen selbstbewussten Kanzlerkandidaten geformt haben. Klar, die Bundestagswahl ist keine Personenwahl. Doch Merkel und Steinbrück sind es, die in vorderster Front versuchen, den Menschen die Inhalte nahe zu bringen.

Der Comeback-Schröder

Im Jahre 2005 hatte es Gerhard Schröder vermocht, nach einem sehr personalisierten Wahlkampf auf der Zielgeraden fast noch ein Patt mit der Union herbeizuführen. Auch damals wurde vorab viel davon gesprochen, dass Schröder unter gar keinen Umständen Kanzler bliebe. Fast wäre die SPD stärkte Fraktion geworden. Hans-Ulrich Jörges vom Stern wird sich die Schweißperlen von der Stirn gewischt haben, war er doch einer der „Kandidaten“, die Schröder vor der Wahl kategorisch abgeschrieben haben. Meinungsmache und Journalismus, ja ja… das Scheinwerferlicht hat schon etwas Magisches.

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Doch diesmal, im Jahre 2013, wurde in den letzten Wochen fast ausschließlich darüber gesprochen: Angela Merkel bleibt Kanzlerin. Steinbrück? Chancenlos. Ist das noch Berichterstattung – oder schon die Beeinflussung des Wählerwillens, gerade im Hinblick auf die Unentschlossenen, die nun zuweilen in ihrer „Wahlpanik“ der rechtspopulistischen AfD die Stimme gegeben haben?

Peer Steinbrück hatte zunächst starken Gegenwind aus den eigenen Reihen, hat sich zuweilen selbst ein Bein gestellt und gerade in den letzten Wochen die Rolle des Kanzlerkandidaten kämpferisch ausgefüllt. Über die Inhalte wurde gestritten, und ein jeder Wähler konnte sich halbwegs entspannt ein Bild von den Positionen der unterschiedlichen Parteien machen. Insofern die Umfragen einmal ausgeklammert wurden.

Wenn sich aber ohnehin alle einig sind, ach komm, die Merkel bleibt doch eh Kanzlerin, dann können wir uns das TV-Duell und den Wahlkampf sparen. Dabei sind Wettbewerb und Demokratie nun wahrlich kein Widerspruch. Auf ein Neues in 2017.

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