Der zerbrochene Spiegel

stefan-aust-radiopreis-2010-hamburg-andres-lehmannAndres Lehmann

Hamburg. Das klingt doch halbwegs versöhnlich: In einem Interview mit der GQ gibt Stefan Aust an, er trauere seiner Zeit beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel in Hamburg nicht nach.

„Ich habe das 13 Jahre lang gemacht, hab da eine sehr gute Zeit gehabt, aber eigentlich war es zu lang“, sagt Aust.

Die Aufgabe beim Spiegel sei reizvoll, spannend und ziemlich aufreibend gewesen, so Aust weiter. Das klingt nach Jahren voller Leidenschaft.

Seinen Abschied – die Trennung vor drei Jahren – hätte man jedoch „auch eleganter lösen können“, betont Aust. Damals ist im Hamburger Verlagshaus wohl so einiges an Porzellan zerbrochen.

„Heilfroh, dass ich da raus war“

Aust, der mittlerweile Mitgesellschafter beim Nachrichtensender N24 ist, lässt es sich im selben Interview nicht nehmen, ein paar deutliche Worte zur Zukunft von Nachrichtenmagazinen zu verlieren. Es ist zu vermuten, dass er damit explizit auch den Spiegel meint:

„Ein klassisches Nachrichtenmagazin könnte auf Dauer nicht überleben. Selbst wenn man exklusive Nachrichten hat, was auch nicht jeden Tag der Fall ist, sind die veraltet, bevor die Druckmaschinen angelaufen sind. Sie müssen also sehr viel mehr in die Tiefe gehen, Hintergründe ausleuchten, Zusammenhänge herstellen. Und vor allem eigene Einfälle haben. Sie müssen eine eigene Position einnehmen.“

Apropos Tiefe, Hintergründe und Zusammenhänge: Immer wenn wir N24 einschalten, laufen da irgendwelche Dokumentationen. Exklusivität ist was anderes. Aber N24 ist ja auch ein Nachrichtensender und kein Nachrichtenmagazin.

Ach so, eine eigene Position möchten wir dennoch beziehen: Bevor wir alte Dokus schauen, holen wir uns am Kiosk um die Ecke doch lieber den Spiegel.

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