Uli Hoeneß: Selbstanzeige und das Spiel der Berichterstattung

uli-hoeness-hamburg-sportgala-2011-andres-lehmannAndres Lehmann

Das Spiel wiederholt sich: Eine Meldung wird dann zum Top-Thema, wenn sie entsprechenden Anklang findet. Spiegel Online etwa „versteckte“ den Artikel, wonach Uli Hoeneß Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung erstattet hat, am Samstagnachmittag im Sport-Block. Ganz dezent, fast in einer Beiläufigkeit. Frei nach dem Motto: Ach ja, der Uli hat ein paar Millionen Euro in der Schweiz geparkt. Am Abend dann rückte die Nachricht schon auf den vierten „Spot“ vor.

Der Focus hatte den Stein mit einer Vorabmeldung ins Rollen gebracht, womöglich ein Grund, warum der Spiegel zunächst etwas leiser polterte. Doch auf einmal nahm der Stein richtig an Geschwindigkeit auf: So war plötzlich die Rede von mehreren hundert Millionen Euro, die Hoeneß in die Schweiz „transferiert“ haben soll.


Die Abendzeitung hatte berichtet, und viele Medienschaffende sind auf den Zug aufgesprungen. Die Süddeutsche Zeitung wiederum erklärte am Sonntagabend, dass es bei den kolportierten mehreren hundert Millionen Euro vielmehr um Gelder eines „Spitzenfunktionärs“ aus dem Fußball ginge, der das Geld ebenfalls „rüber“ geschafft habe. So hatte wiederum der Stern berichtet. Doch der Name Uli Hoeneß wurde in diesem Zusammenhang nicht genannt. Doch es handelt sich bei beiden Geschichten um die gleiche Privatbank – und zack: Fertig ist die Meldung.

Und morgen: Mehrere Milliarden Euro

Ja, was denn nun? Auf einmal ist erneut die Rede von „nur“ noch wenigen Millionen Euro, die Hoeneß nicht richtig versteuert haben soll. Ja mei.

Nicht, dass wir uns hier missverstehen: Alleine bei YouTube gibt es dutzende von Videos zu sehen, in denen Uli Hoeneß mit seinem süffisanten Grinsen erklärt, wie der Otto-Normal-Verbraucher am besten sein Geld anlegen solle. Dass ein Zweitkonto in der Schweiz in seinen Augen „schick“ ist, verschweigt der Präsident des FC Bayern München.

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Doch egal ob nun mehrere hundert Millionen Euro oder ein paar „Mios“: Uli Hoeneß hat an Glaubwürdigkeit nicht eingebüßt. Er steht eindeutig im Abseits und müsste im Grunde genommen förmlich um seine Auswechslung betteln. Dass er nun eilig erklärte, er wolle Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident des FC Bayern München bleiben: Geschenkt. Viel wichtiger wäre „seine“ Erkenntnis, dass er ein grobes Foul begangen hat. Und dann sitzt er bestimmt wieder bei Günther Jauch.

Ach ja, der Uli Hoeneß machte vom vierten Spot aus kommend am Sonntag schließlich noch einen großen Satz: Spiegel Online als „Internet-Leitmedium“ haut seit zwei Tagen eine Top-Story nach der nächsten „raus“ und Uli Hoeneß hat längst den Platz an der Sonne sicher. Ganz, ganz oben.

Die aktuelle Überschrift bei SpOn: „Die Lehren aus dem Fall Hoeneß“

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